Erfolg nur für Intelligenzbestien?

Letztens in einem Gespräch:

„Erfolgreich werden mit eigenem Business können eh nur intelligente Menschen.“

Diese Aussage hat mich etwas überrascht weil ich auf eine solche Idee selbst noch nie gekommen bin. Ich bin der Meinung dass jeder es schaffen kann. Stellen wir uns mal vor, ein Landschaftsgärtner oder Künstler hat die Schule mit Ach und Krach geschafft. Er hat die Idee, seine Fähigkeiten in Form einer Selbstständigkeit zu nutzen. Nach dem bisherigen Intelligenzmodell wäre er zum scheitern verurteilt. Warum soll dieser Mensch nicht schöne Kunstwerke oder Gärten bauen können? Und das auf einer selbstbestimmten Basis? Ich bin der Überzeugung, dass es möglich ist. Die Schwächen der Buchhaltung, Marketings etc. können ohne weiteres ausgelagert werden. Und er konzentriert sich auf das, was er gut kann: Schönheit in die Welt bringen.

Beim hinterfragen woher diese Meinung rührt, war recht schnell klar dass sie auf der allgemein bekannten Meinung zum Thema Intelligenz beruht. Diese empfinde ich als veraltet und zu eingeschränkt.

Herkömmliches Intelligenzmodell

Wir verfügen alle über ein gewisses Maß an Intelligenz. Schließlich sind wir lange zur Schule gegangen und uns wurde eine Menge Wissen „eingetrichtert“. Das beruht auf der Umsetzung des gängigen, allgemein bekannten und alten Intelligenzmodells. Um nach diesem Modell intelligent zu sein, muss man nur genug lernen und umsetzen können. Dafür muss man in der Regel die drei Grundfaktoren beherrschen:

  • Mathematische Kenntnisse

  • Sprachliche Fähigkeiten

  • Verständnis für logische Zusammenhänge

Das dies nicht ausreicht, kann sich mittlerweile jeder denken. Auch in der Forschung wird der Weg gegangen, andere Intelligenzmodelle zu entwickeln. Ein erweitertes Modell möchte ich heute kurz vorstellen.

Intelligenz – Modell nach Gardner

Manche Menschen haben Fähigkeiten, die besonders ausgeprägt sind. Dennoch entsprechen sie keiner der drei oberen Faktoren in vollster Weise. Soll das nun heißen, dass dieser Mensch nicht intelligent ist? Was ist mit den anderen Fähigkeiten, die nicht dazu gehören? Howard Gardner, Professor für Wahrnehmung und Bildung an der Harvard Graduate School of Education, hat sich mit diesem Thema eingehender beschäftigt. Aufgrund seiner Forschung hat er ein Intelligenzmodell entwickelt, das aus neun Bereichen besteht.

  1. Unter Sprachlicher Intelligenz versteht Gardner eine gute rhetorische Fähigkeit. Dazu gehört auch die Begabung, Gedanken in einer verständlichen Form zu äußern. Sie lässt wenig bis gar keine Missverständnisse zu. Dadurch wird sie bei Führungskräften besonders zur Motivation und Vermittlung von Zielen als wichtig erachtet.

  2. Bei der Logisch-Mathematischen Intelligenz geht es um die Erfassung logischer Zusammenhänge. Eine schnelle Auffassungsgabe und ein guter Umgang mit Zahlen. In Unternehmen ist diese besonders im Controllingbereich sehr wertvoll.

  3. Empathie ist der besser bekannte Begriff für Interpersonelle Intelligenz. Die Möglichkeit, sich in andere hinein zu versetzen und Verständnis für dessen Belange aufzubringen. Folglich ist sie im Berufsleben bei Verhandlungen oder dem Umgang mit Mitarbeitern sehr vorteilhaft. Unternehmer, die im direkten Kundenkontakt sind – besonders Dienstleister – benötigen diese Fähigkeit ganz besonders.

  4. Bei der Intrapersonellen Intelligenz geht es darum, sich selbst zu kennen. Sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein und diese auch Zielorientiert einzusetzen. Auch hier sehe ich diese Fähigkeit als immens wichtig bei Dienstleistern. Sie kann für erfolgsversprechende Marketingmaßnahmen sehr gut genutzt werden.

  5. Eine nachhaltige, mit der Natur in Einklang befindliche Handlungsweise, zählt Gardner zur Naturalistischen Intelligenz. Sie befähigt den Menschen unter anderem zur besseren Entspannung und Vermeidung von Stress.

  6. Musikalische Intelligenz. Ein Gespür für Klänge, Musik und Töne ist besonders in Gesprächen mit anderen hilfreich. Anhand der unterschiedlichen Aussprache können Emotionen erkannt werden. Besonders hilfreich ist dies natürlich für Musiker.

  7. Mit der Körperlich-kinästhetischen Intelligenz meint Gardner die besonders gute Koordination zwischen Körper und Geist. Dementsprechend ist diese Intelligenzform besonders in künstlerischen Bereichen von hoher Bedeutung.

  8. Räumliche Intelligenz. Das Verständnis und die Vorstellungskraft eines dreidimensionalen Raums ist für manche ein mittelschweres Problem. Besonders gut erkennbar beim einparken des Autos. Architekten, Ingenieure und Designer sind besonders hiervon abhängig.

  9. Existenzielle Intelligenz. Die Frage nach dem Sinn ist eine der besonders herausragenden Formen dieser Intelligenz. Bei dieser Intelligenzform geht es um tiefgründige Ansichten seiner Existenz.

In Gardners Modell gibt es einige „Soft Skills“, die ohne weiteres erlernbar sind. Folglich ist dieses Modell auch umstritten. Doch unabhängig von Kritik oder Befürwortung dieser Formen kann jeder daraus einiges für sich entnehmen und für sich nutzen.

Tipp

Finde und setze Deine individuellen Stärken, Talente und Fähigkeiten ein. Dadurch hast Du einen wesentlichen Schlüssel zu Deinem persönlichen Erfolg.

Bereiche, in denen Du nicht so stark bist, kannst Du ohne weiteres outsourcen. Lass Deine Buchhaltung von einem Steuerberater machen. Lass Dein Marketing von einem Profi prüfen. Was Du nicht verstehst, kannst du dir erklären lassen. In jedem Falle solltest du jedoch den Überblick über die Geschehnisse in deinem Unternehmen behalten.