Wie verhält sich die Wahrnehmung zur Realität?

Ein Ereignis – unterschiedliche Aussagen dazu! Nicht selten erleben wir so etwas wenn wir die Berichterstattungen der Medien aufmerksam verfolgen oder im Gespräch mit unseren Mitmenschen sind.
Gibt es hier eine unterschiedliche Wahrnehmung?

Viele werden sich darüber keine weiteren Gedanken machen. Als Holistic Coach ist es für mich und meine Arbeit um so wichtiger, unterschiedliche Aspekte neutral betrachten zu können und die dahinter liegende Information zu erkennen. Mit einer solchen Betrachtungsweise und dem Wissen, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, fällt es mir sehr leicht, Probleme zu verstehen und dahinter liegende Informationen klar zu erkennen. Dies ist vielen möglich!


Die Erklärung für diese Phänomene ist schon fast so simpel, dass vorerst gar kein Gedanken daran verschwendet wird. Im weiteren Verlauf des Beitrags werden Sie mehr Verständnis dafür erlangen und den Alltag um einiges erleichtern.

Wahrnehmung über die Sinne

Wie wir bereits in der Schule gelernt haben, erfolgt die Wahrnehmung in der Regel über fünf Sinne: sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken. Sämtliche, über diese Sinne aufgenommenen Eindrücke, werden vor der Verarbeitung im Gehirn durch einen Filter geschickt. Dieser Filter vergleicht innerhalb kürzester Zeit ob zu einem Erlebnis bereits eine Erfahrung abgespeichert ist oder nicht. Je nachdem wie diese „Ersterfahrung“ abgespeichert ist, wird die neue Erfahrung automatisch zugeordnet.

Infozeichen

Die Evolution hat uns diesen Filter eingebaut um uns vor Überbelastung zu schützen. Untersuchungen haben ergeben, dass wir pro Sekunde bis zu 600 Mio. Bits aufnehmen, 11 Mio. davon im Gehirn verarbeitet werden und lediglich 20 bis 40 dieser Bits bewusst wahrgenommen werden.

Obwohl wir uns im Leben einer dauerhaften Wandlung unterziehen, werden alte Denk-, Handlungs- und Emotionsmuster nicht überschrieben. Im Gegenteil, sie werden durch diese neuen Informationen noch weiter verstärkt. Unabhängig davon, ob es etwas positives oder etwas negatives ist, sobald nur an das Thema gedacht, beginnt es sich wie in einer Spirale zu verstärken. Die Reaktionsmuster fokussieren sich auf bereits konditioniertes – der Rest wird ausgefiltert. Es entsteht der bekannte Tunnelblick. Und das wird zu dem Problem daran.

Im Alltag nutzen wir hier gern das Sprichwort:

„Wenn etwas kommt, dann alles auf einmal.“

Mit Ängsten erfolgreich umgehen

Um es bildlicher darzustellen, lässt sich als gutes Beispiel hierfür der Umgang mit Haustieren nehmen. Hat eine Person als Kind eine schlechte Erfahrung mit einem Hund gemacht, wird sie – sobald sie einen Hund sieht – in Stress versetzt. Dieser Stress kann sich bis zu starker Angst oder Panik steigern. Auch wenn diese Person rein rational weiß, dass nicht alle Hunde böse sind. Das Unterbewusstsein spielt sein Muster ab. Als Hundebesitzer eines sehr braven Hundes kann ich das immer wieder bei Begegnungen feststellen.

Da gibt es dann den Ansatz, die Angst vor Hunden zu nehmen. In Trainings und Verhaltensseminaren wird Schritt für Schritt (mit braven Hunden) diese Angst abtrainiert. Ich empfinde das als eine falsche Herangehensweise. Viel wichtiger wäre, die Person situationsbedingt in einen neutralen Wahlzustand zu versetzen. Erst in diesem Wahlzustand kann sie frei und ohne bisherige Konditionierungen auf die Situation zugehen. Sieht sie einen Hund der Schwanz wedelnd auf sie zu läuft, kann sie davon ausgehen, dass dieser Hund eher freundlich gesinnt ist. Steht ihr jedoch einer mit aufgestellten Nackenhaaren und Zähne fletschend gegenüber, sollte sie mit größter Vorsicht das weitere Verhalten des Tieres beobachten und versuchen Abstand zu gewinnen.

Der 6. Sinn

Zu diesen bekannten Sinnen wird immer wieder von einer weiteren Wahrnehmungsweise gesprochen. Diese geschieht un- und unterbewusst. Da dieser 6. Sinn bisher noch keinem menschlichen Sinnesorgan zugeordnet werden konnte, hat er noch die Bezeichnung „außersinnlich“. Besonders bei achtsamen Menschen, die ihre Gefühle und Empfindungen gut wahrnehmen, ist diese Art der Wahrnehmung unumstritten. Bauchgefühl, Eingebung, Intuition oder noch weitere Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch dafür verwendet.

Möglicherweise ist dieser Sinn derjenige, der das Leben im wesentlichen steuert. Dadurch, dass er direkt ins Unterbewusstsein dringt, haben wir wenig Einfluss auf die Folgen des Inputs. Die Reizreaktionsmuster werden sofort aktiv. Siehe oberes Beispiel mit dem Hund. Wieso dies der Fall ist, habe ich in einem früheren Beitrag beschrieben.

Noch ist nicht genau geklärt, wie dieser 6. Sinn entsteht und wo das entsprechende Sinnesorgan dazu sitzt. Bekannt ist lediglich der Umstand, dass viele Menschen einen Bezug dazu haben. Prägnanteste Beispiele sind Zwillinge, die über weite Entfernungen spüren, wie es ihrem Zwilling gerade geht. Die Mutter / Kind – Beziehung, sofern sie emotional gesund ist, wäre als weiteres treffendes Beispiel zu nennen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass dieser 6. Sinn viel mit dem Herzen zu tun hat. Mittlerweile wird in diesem Bereich, außerhalb der medizinischen Kardiologie, die Funktion des Herzens verstärkt erforscht. Ein Buch, das sich mit diesem Thema befasst und meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist, ist Heartness von Melanie Grimm.

Buchcover Heartness

Selektive Wahrnehmung

Wie bereits oben kurz angedeutet, ist die Wahrnehmung des Umfelds sehr stark von der eigenen Ausrichtung und Gedankenmustern abhängig. Im Alltag können wir das sehr gut beobachten. Kennen Sie das auch? Gerade ein neues Auto gekauft oder der Autokauf steht kurz bevor und im Straßenverkehr taucht vermehrt dieses bestimmte Auto auf. Es scheint schon fast so, als wäre in letzter Zeit nur dieses Modell zugelassen worden.

Durch die Beschäftigung mit dem Thema Autokauf, speziell diesem Modell, hat sich die Aufmerksamkeit auf unterbewusster Ebene genau auf dieses Modell fokussiert. Das Stammhirn filtert alle uninteressanten Sinneseindrücke -die anderen Autos- aus und lässt nur die momentan wichtige Information ins Bewusstsein durchdringen. Eben das, womit man sich aktuell beschäftigt.

Ein sehr gutes Beispiel zur selektiven Wahrnehmung ist folgendes Video von Daniel Simons.

Mit diesen Kenntnissen kann einiges an Erleichterungen im Alltag geschaffen werden. Nehmen Sie zuerst einfach mal wahr, womit Sie sich aktuell beschäftigen. Welche Themen begleiten aktuell den Alltag? Und dann betrachten Sie, welchen Platz diese Themen im Alltag eingenommen haben. Der nächste Schritt wäre zu versuchen, sich an Dinge zu erinnern, die in letzter Zeit zwar geschehen sind, aber nur am Rande wahrgenommen wurden. Diese sind quasi fast spurlos an Ihnen vorbei gegangen – eine Randnotiz eben. Der Fokus und daraus folgend die Wahrnehmung waren auf bestimmte Themen ausgerichtet und unwichtiges wurde ausgefiltert.

Deine Energie ist abhängig von Deiner Aufmerksamkeit

Allein mit diesem Wissen können wir uns neu ausrichten. Ein gut bewährtes Mittel um sich neu auszurichten ist die Autosuggestion. Zurückzuführen auf Emil Coué, einen französischer Apotheker, lässt sich der Satz „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ als Grundlage heranziehen. Coué stellte durch Beobachtungen fest, dass von ihm überreichte Medizin besser wirkte, sobald er dem Patienten aufmunternde Worte mitgab. Damit erreichte er, dass der Patient sich noch mehr auf seine Genesung fokussierte.

Ähnlichen Effekt finden wir auch bei den Placebos oder Nocebos. Je nachdem welcher Effekt angewendet wird, kann sich die daraus folgende Entwicklung bereits am Anfang einschätzen lassen.
Placebos kennen wir aus der Medizin – besonders bei Studien zu neuen Arzneimitteln. Medikamente, die medizinisch gesehen keine Wirkung haben, werden dem Patienten verabreicht. Mit der Information, dass es sich hier um ein stark wirkendes Mittel gegen seine Beschwerden handelt. Nicht selten stellt sich eine wesentliche gesundheitliche Verbesserung ein.

Nocebos sind der genaue Gegenteil davon. Negative Äußerungen oder auch nur Missverständnisse bewirken eine Verschlechterung des Zustands. So kursiert die Geschichte des Herzkranken Patienten im Krankenhaus. Dieser Patient hatte eine Herzerkrankung, die leicht medikamentös zu behandeln gewesen wäre. Der Chefarzt vertauscht allerdings die Patientenakten und teilt ihm die Diagnose seines Bettnachbarn mit. Dieser war schwer Herzkrank und hatte kaum Überlebenschancen. Am nächsten Morgen war der Patient mit dem leichten Herzleiden tot in seinem Bett gelegen.

Achtsamkeit kann Dein Schlüssel zum besseren Alltag werden

Darum ist es wichtig, bewusst(er) durch den Alltag zu gehen. Was prasselt da auf uns ein? Placebos oder Nocebos? Und wie gehen wir damit um?
In vielen Fällen spulen wir den Tag nach bestimmten Mustern ab und wundern uns, warum dies uns gelegentlich in Schwierigkeiten bringt.

Wissen vermittelt bekommen

Über unsere Sinne haben wir jahrelang die unterschiedlichsten Informationen aufgenommen. War dies in der Schulzeit noch das, was dir als Wissen vermittelt bekommen haben, ist es im Erwachsenenalter die tagtägliche Informationsflut, die über uns herein stürmt. Werbung, die an jeder Ecke (auch unbewusst) wahrgenommen wird. Nachrichten, die ein bestimmtes Weltbild vermitteln aber auch vermeintlich belanglose Gespräche mit Mitmenschen. Diese Informationen, es sind immerhin um die 3.000 (Werbe)Botschaften täglich, prägen die Denkweise und dadurch auch unser Verhalten. Unbewusst werden eigene Denkfilter erzeugt.

Onlinegiganten nutzen dieses Wissen zu ihrem eigenen Vorteil. Über die Ergebnisse der Suchen oder Beschäftigung mit bestimmten Themen im Netz werden die Informationen gespeichert und ein Profil erstellt. Künftig werden entsprechend diesem Profil weitere Informationen zur Verfügung gestellt. Da meine ich nicht nur die Werbung, die am Bildschirmrand aufpoppt.

Veränderung durch erhöhte Achtsamkeit

Auch wenn mit gefilterten und teilweise einseitigen Informationen gefüttert, sind wir jederzeit in der Lage, unser Denken und daraus folgend unser Handeln zu verändern.

Drei wesentliche Punkte, sollten dabei beachtet werden:

  1. Der Gedanken bewusst werden. Was denke ich gerade über die aktuelle Situation? Wie sortiere ich diese Situation in meinem Gedankengang ein?
  2. Gedachtes hinterfragen. Warum denke ich so? Welche Umstände haben mich zu dieser Denkweise geführt?
  3. Überlegen welche Alternativen es zu der Situation geben könnte. Eine alternative Sichtweise suchen und möglicherweise einnehmen. Diese könnte noch mehr gefallen als die aktuelle.

Unter Berücksichtigung dieser Tipps werden Sie schnell merken, dass jederzeit die Möglichkeit vorhanden ist, aus aktuellen und bewussten Mustern auszusteigen. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten, Situationen zum eigenen Wohle zu meistern und eine Erleichterung im Alltag zu schaffen. Im Grunde müssen nur Dinge hinterfragt, Gewohnheiten erkannt und dadurch die Möglichkeit der Veränderung geschaffen werden.

Etwas schwieriger wird es bei den unbewussten Mustern und Handlungsweisen. Diese sind gänzlich unbekannt und in dem Moment, in dem gerade danach gehandelt wird, werden Sie als total normal empfunden. In manchen Fällen ist es von Außen sofort erkennbar, in vielen wiederum nicht. Die Erklärung dazu habe ich in einem früheren Beitrag beschrieben.

Verminderte Achtsamkeit durch die Anforderungen der heutigen Gesellschaft

Es ist gar nicht mehr so einfach, achtsam durch den Alltag zu gehen. Die gesellschaftliche Verhaltensweise, die vielen bereits in der Kindheit schon beigebracht wurde, hindert extrem daran. Es dreht sich alles um schneller, höher, weiter. Alles ist darauf ausgelegt. Die Wirtschaft, die sportlichen Veranstaltungen und auch die Freizeit. Es reicht nicht mehr der normale Urlaub, es muss unbedingt etwas grandioses erlebt werden.

Wir vergleichen uns gerne mit anderen. Dadurch entsteht oft der Drang, mehr zu haben als das, was gerade da ist. Das neue Auto, der nächste Sieg bei einer Sportveranstaltung oder der Urlaub. All das lenkt die Aufmerksamkeit auf äußere Dinge und unbewusst beginnen wir mit einer Art Tunnelblick durch den Alltag zu gehen. Kleinigkeiten, die seitlich des Tunnels geschehen, werden nicht mehr wahrgenommen. Dadurch gehen viele schöne Momente verloren, die ein gelasseneren Alltag bescheren könnten.

Magische Momente

Magische Momente durch Achtsamkeit

Einen solchen Moment, ein schönes Erlebnis hatte ich während des Besuchs eines Weltmeisterschaftslaufs im Bergrennen bei Mickhausen. Mit einem Freund laufe ich durch den Wald um eine Stelle mit guter Sicht auf eine Kurve zu finden. Das Wetter an diesem Tag war nicht das Beste, kurze Zeit vorher hatte es geregnet. Die Stimmung war dementsprechend auch nicht optimal. Also laufen wir dahin und plötzlich war er da. Dieser magische Moment. Ich bemerke einen Sonnenstrahl, der durch die Bäume auf den Waldboden fällt. Ich bin bewusst stehen geblieben, habe mir das angesehen und merkte, wie sich meine Stimmung verändert. Sie war nicht mehr so trübe wie vorher und hielt auch den restlichen Tag an. Auch der nächste Regenschauer konnte daran nichts mehr ändern.

Tipp

Achten Sie auf die Kleinigkeiten im Alltag, die die Stimmung heben können. Sie werden merken, dass vieles nicht mehr so wichtig erscheint wie noch kurz vorher und Aufgaben sich leichter und freudiger erledigen lassen.

Es fällt Ihnen nicht leicht und Sie haben Probleme damit? Sie wissen, dass da viel mehr drin wäre als aktuell der Fall ist, können es aber nicht umsetzen? Das ist nicht ungewöhnlich. In vielen stecken sehr gut verborgene Konditionierungen, die mit dem bewussten Verstand nicht erfasst werden können. Holistic Coaching bietet hier einen einzigartigen Ansatz, un- oder unterbewusstes sichtbar zu machen und zu lösen.

Die Wahrnehmung und die Realität

Die sechs Sinne, die Achtsamkeit und die selektive Wahrnehmung. Bewusst oder unbewusst – gemeinsam erschaffen sie das Bild der eigenen Realität. Daher werden Sie oft ein abweichendes Bild einer Situation haben, die jemand direkt daneben beobachtet hat. Die unbewussten Filter, durch die die Informationen aufgenommen wurden, haben das Bild der Situation geschaffen. Die ganzen Prägungen des bisherigen Lebens haben ihren Teil dazu beigetragen, die Realität sich so darstellen zu lassen, wie sie eben empfunden wird.

In der Geschichtenerzählung finden wir dazu ein hoch interessantes Beispiel:

Krösus, König von Lydien, befragte das Orakel von Delphi in Bezug auf einen Feldzug gegen die Perser.  „Wenn du den Grenzfluss Halys überschreitest“, prophezeite das Orakel, „wirst du ein mächtiges Reich zerstören.“ Begeistert von dieser Aussage und seinem Gedanken dass Persien das mächtigste Reich sei, bereitete Krösus den Krieg vor. Das Orakel hatte ihm praktisch garantiert, siegreich aus der Schlacht hervorzugehen. Krösus zog siegesgewiss und hochmütig in den Kampf – und verlor.

Krösus war von einem starken Wunsch geprägt, seine Feinde zu besiegen. Er hat durch seine selektive Wahrnehmung keine Eventualitäten in Betracht gezogen. Bei der Befragung des Orakels hörte er nur das, was er hören wollte. Was er überhörte oder gar ignorierte, war, welches Reich das Orakel mit der Prophezeiung meinte. Schlussendlich hatte er sein eigenes Königreich zerstört.

Bleiben Sie im Alltag achtsam und beobachten Sie die Ausrichtung Ihrer Gedanken. Dies hat große Auswirkungen auf die Dinge, die Ihnen im Leben begegnen.
Ihre Sichtweise muss nicht mit der anderer überein stimmen. Seien Sie also bereit auch andere Sichtweisen zumindest mal anzuschauen.

Stellt sich nur noch die Frage, ob es die eine allgemein gültige Realität gibt. Das soll hier allerdings nicht Bestandteil werden. Ich sehe das eher als ein Thema für Philosophen.