Warum Kommunikation oft nicht funktioniert

Viele unserer alltäglichen Probleme entstehen durch falsche oder fehlerhafte Kommunikation. Sicher kennen Sie Situationen, in denen der Gesprächspartner, obwohl aus eigener Sicht klar und deutlich ausgedrückt, mit lauter Fragezeichen vor Ihnen stand. Fragen wie „Wie war das nun gemeint?“ oder „Kannst du mir das noch mal erklären?“ kommen öfters vor als uns eigentlich lieb sein sollte.

Männer sprechen Marsianisch, Frauen Venusianisch!

Probleme in der Kommunikation

Diese Aussage ist die witzige Version der Erklärung für Missverständnisse. Doch nicht nur gegengeschlechtliche Gesprächspartner haben ihre Schwierigkeiten. Im Umgang mit Kindern, Kollegen, Vorgesetzten oder auch im geschäftlichen Bereich finden sich immer wieder Missverständnisse. Wäre verständlich, wenn die Gesprächspartner unterschiedliche Sprachen sprechen würden und die jeweilig andere Sprache nicht gut beherrschen. Wenn jedoch beide die gleiche Sprache sprechen und sich doch nicht wirklich verstehen… woran kann das liegen?

Literatur dazu gibt es wie Sand am Meer. Einen eigenen Forschungszweig dazu auch. Und da bin ich kein Profi. Was ich aber durch meine Arbeit und Erfahrung erkannt habe, ist ein häufiges Fehlen weniger Grundlagen einer wertschätzenden und gleichberechtigten Kommunikation. Dazu bedarf es auch der Kenntnisse um die

Faktoren der Kommunikation

Kommunikation findet immer auf verschiedenen Ebenen statt. Kommunikation ist nicht nur sprechen allein. Bei einer ersten Begegnung ist bereits innerhalb weniger Sekunden (auch unbewusst) der erste Eindruck festgelegt, indem

  • 55% auf das Aussehen / die Körpersprache
  • 38% auf den Klang der Stimme
  • 7% auf den Inhalt des gesprochenen
Faktoren der Kommunikation

geachtet wird. Allein durch die Körperhaltung ist schnell erkennbar ob jemand offensiv oder defensiv eingestellt ist. Diese Haltung spiegelt sich auch sehr starkt in dem Klang der Stimme wieder, wodurch ein direkter Zusammenhang erkennbar ist. Der Inhalt rückt mit seiner geringen Gewichtung dann schnell in den Hintergrund und das Gespräch verläuft in der Regel einseitig. Diese Erkenntnisse beruhen unter anderem darauf, dass etwa 90% des Sprechens von Gesten begleitet wird.

Eine andere Gewichtung finden wir bei einem Telefonat. Hier fällt die Körperhaltung weg da wir den Gesprächspartner selten sehen. Der Fokus verlagert sich noch stärker auf die Sprachmelodie und Betonung. Die Gewichtung ist bei genauerer Betrachtung zwar ähnlich dem direkten Kontakt, zeigt aber kleine Unterschiede. Entscheidend sind bei einem Telefonat

  • 84% der Klang der Stimme
  • 16% der Inhalt des Gesprochenen.

Eine freundliche Begrüßung zu Beginn des Telefonats entscheidet sehr oft über den Ausgang dessen.

Friedemann Schulz von Thun war einer derjenigen, die sich mit den Kommunikationsmustern beschäftigt haben. Auf seine Forschung hin hat er das Modell der vier Seiten einer Nachricht entwickelt.

Am diesem Beispiel ist gut zu erkennen, wie unterschiedlich die Nachricht „Mir ist kalt“ ausgesprochen und aufgenommen werden kann. Das Bedürfnis dahinter kann sehr unterschiedlich sein, wird aber durch eine allgemeine Aussage in den Hintergrund gestellt. Sehr schwierig für die beiden Gesprächspartner, wenn sie sich nicht auf der gleichen Kommunikationsebene befinden. Ein Missverständnis ist hier schon fast vorprogrammiert.

Kommunikationsregeln

Damit es künftig weniger Schwierigkeiten in der Kommunikation gibt, können einige wichtige Regeln befolgt werden. Diese allein schaffen es nicht, ein Gespräch wie vorgestellt und mit dem gewünschten Ergebnis ablaufen zu lassen. Sie erleichter die Sache aber ungemein.

  1. Entspannt sein. Ist Wut oder Ärger im Spiel, kann kein konstruktives Gespräch stattfinden. Die Kooperationsbereitschaft des Gegenübers sinkt rapide.
  2. Wertschätzung und Interesse dem Gegenüber zeigen. Der Gesprächspartner ist in dem Moment die wichtigste Person.
  3. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Kommen Unwahrheiten raus, wird das nächste Gespräch einen anderen Verlauf nehmen.
  4. Dem Gesprächspartner durch eine offene und einladende Körperhaltung Aufgeschlossenheit signalisieren.
  5. Aufmerksam bleiben. Jeder ist schnell beleidigt oder gelangweilt, wenn die Aufmerksamkeit vom Gespräch abgelenkt wird.

Unter Berücksichtigung dieser Grundregeln sollte sich die Kommunikationsfähigkeit sehr schnell verbessern. Doch sowohl im Berufs- als auch im Privatleben stehen wir oft vor weiteren Hürden einer funktionierender Kommunikation.

Eigene Filter, durch die wir kommunizieren, sind uns nicht bewusst und werden dadurch kaum bis gar nicht wahrgenommen. Diese haben mit Prägungen und Konditionierungen aus der Vergangenheit zu tun. Wie stark diese uns beeinflussen, habe ich in einem früheren Beitrag näher beschrieben.

Sicher lässt es sich jetzt anführen, dass ich in einem gestressten Zustand nicht der freundlichste sein muss. Dabei würde auch einiges an Authentizität verloren gehen. Wie bei allem im Leben ist auch bei der Kommunikation das Maß der Dinge entscheidend. Wenn jemand nur nach Kommunikationsregeln mit seinen Mitmenschen kommuniziert, kommt es sehr gekünstelt und unecht an. Da mag dann auch keiner mehr die Kommunikation aufrecht erhalten.

Zu authentischer Kommunikation gehören auch Widerworte – und mal Nein sagen. Doch selbst dieses Nein kann nach den oberen Grundregeln kommuniziert werden.

Authentisches und ehrliches Nein

Nein

Stehen Sie gelegentlich vor der Herausforderung Nein sagen zu wollen und trauen sich nicht? Nein sagen ist für viele Menschen schwierig. Sei dies im privaten Umfeld oder im geschäftlichen Bereich. Es wird oft als egoistisch, unhöflich und teilweise sogar als unverschämt angesehen. Dies rührt daher, dass wir auf JA sagen „programmiert“ sind. Hat es in der Erziehung daheim mit dem Gehorsam gegenüber den Eltern angefangen, ging es weiter in der Schule als man dem Lehrer Recht geben musste. In der Ausbildung und im späteren Berufsleben hatte der Chef immer Recht und es wurde allem zugestimmt.

Wieso sagen wir nicht Nein wenn wir es innerlich so wünschen und äußern möchten? Gründe hierfür sind

  • Angst vor Konflikten oder Zurückweisung
  • Angst jemanden zu verletzen oder etwas zu verpassen
  • Glaubenssätze
  • geringes Selbstwertgefühl.

Viele dieser genannten Punkte verstecken sich sehr gut in unserem Unterbewusstsein. Da kann man noch so viel trainieren um auch mal Nein zu sagen. Läuft eines dieser unterbewussten Muster, haben wir keine Chance dazu. Mit der einzigartigen Methode des Holistic Coachings lassen sich un- und unterbewusste Muster sehr leicht aufdecken und lösen.

Unabhängig solcher Muster können einige

Faktoren zu einem guten Nein

beachtet werden. Denn auch ein Nein kann, wenn es höflich und authentisch geäußert wurde, Sie in vielen Lebenslagen voran bringen.

  1. Ehrlich sein gehört zu den Grundregeln des Umgangs mit anderen.
  2. Respektvoll. Äußere das Nein freundlich und dennoch bestimmt ohne über die Grenzen des Gegenübers zu steigen.
  3. Klar aussprechen. Ein Nein muss direkt geäußert werden und nicht schwammig sein. Drum herum reden bringt keinem etwas und führt leicht zu Missverständnissen.
  4. Begründung nennen. Sie sollte keine Ausrede sein, sie sollte das wiedergeben und festigen was wirklich gemeint ist.
  5. Alternative anbieten. Oft gibt es eine 2. Wahl zu etwas, was abgelehnt wird. Bevor Nein gesagt wird, sollte über eine solche Alternative wenigstens mal nachgedacht werden.
  6. Möglicherweise wiederholen. Manche Menschen können ein Nein nicht akzeptieren und ordnen es als ein Vielleicht ein. Es sollte klar sein, was geäußert wurde.
  7. Der Beste Weg ist die persönliche Art und Weise. Auch wenn Kurznachrichten oder Mails ein viel verbreitetes Kommunikationsmedium geworden sind, bringt Sie der persönliche Kontakt hier am weitesten. Wenn ein persönliches Gespräch nicht möglich ist, greifen Sie zum Telefonhörer. Das Gegenüber wird es sehr schätzen.

Es ist an sich nicht schwierig, mal Nein zu sagen. Unter Beachtung der oberen Punkte werden Sie schnell merken, dass es Freiheit verschafft und Sie authentischer gegenüber anderen sind.